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von Eva und Christian

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Wir fahren auf einer Single Track Road von Ost nach West – quer durch Schottland. Wolfgang`s andauernde Ermahnungen, links zu fahren, nerven mich. Die 17-stündige Überfahrt von Zeebrügge nach Rosyth, opposite of Edinburgh, steckt uns noch in den Knochen. Besonders die, in Pullmansitzen verbrachte Nacht. Und eine, von Wolfgang am Stammtisch versprochene Gefälligkeit, entpuppte sich als gar nicht so einfach zu erfüllen. Das mitgebrachte Paket wurde bei Fährankunft nicht abgeholt, ein Hinterlegen war nach den jüngsten Terroranschlägen in London ausgeschlossen und so musste es nach mehreren telefonischen Abklärungsversuchen dann zur Post gebracht werden.

Doch der Reihe nach! Zur Anreise nach Belgien waren
3 Tage geplant. Mit Treffpunkt im Kloster Andechs und einem kleinen Umweg über Luxemburg – des Dieselpreises wegen. Stellplätze fanden wir leicht. In Pforzheim waren wir zugleich mit dem Deutschlandstopp der Tour de France und in Belgien kosteten wir von dem herrlichen, dunklen Bier. – Über die Autobahnen kamen wir gut voran und irgendwo hörten wir im Verkehrsfunk von dem Murenabgang im benachbarten Holland. Ein riesiges Tulpenfeld wurde dabei meterhoch verschüttet. Glück im Unglück: Eine neue EU-Verordnung sah eine prozentuelle Lohnteilzahlung an die jeweilige, heimische Sozialversicherung der Saison-Tulpenpflücker vor. Ein Streik der polnischen Gastarbeiter und eine zeitgleiche Sperre der benachbarten Wasserstraße wegen Aquaplaning-Gefahr, verhinderte ein größeres Unglück.

Bevor wir unser erstes Übernachtungsplätzchen in einem schottischen Nationalpark finden, durchqueren wir ein hübsches Bergwerks–Städtchen. Erz wird hier schon lange nicht mehr gefördert, dass aber immer noch Mineralien und Reptilien gesucht und gefunden werden, sieht man an allen Ecken und Enden.

Mit dem Erreichen der Küste beginnt auch ein kleiner Wettbewerb um die ersten, größten oder meisten, selbstgefangenen Fische. Anfangs etwas im Hintertreffen, hatte Wolfgang stets eine einleuchtende Erklärung parat. Zuerst war es mangelnde Vorbereitung von Systemen und Vorfächern, dann waren immer die im Drill verlorenen Fische die Größten, weiters hatte ihn eine „Möwe“!? an der Angel während der Beißzeit lange aufgehalten. Und schließlich hat ihm sogar ein Seehund eine gehakte Makrele von der Angel gerissen. Dabei soll aber ja niemand an ein bestimmtes Latein denken, nein, nein, alles ist genau so passiert ------ !

„Von einem Tief über den britischen Inseln........“ So beginnt meist der Wetterbericht des ORF. Eine dieser Inseln wollen wir aber trotzdem besuchen. Unsere Wahl fällt auf Skye – sie gehört zur Inselgruppe der inneren Hemoriden. Rau und wild zerrissen ist die Küste und die Landschaft, zerzauste Zwergsträucher kommen nur im Windschatten auf und der Boden ist so karg, dass er nur einige Schafe ernähren kann. Krabben-, Schrimps- und Hummernfallen türmen sich an kleinsten Anlegestellen. Die Fänge der gesamten Nordwestküste gehen per Lkw nach Spanien und Frankreich. Doch auch bei uns wird der Tisch oft mit Kombizange und Seitenschneider aufgedeckt. Wir finden immer wieder einen Fischer, der uns vorher ein paar Kilogramm dieser zappelnden, gepanzerten Delikatessen verkauft.

Die Überquerung des höchsten Passes von Schottland ist sehr unangenehm. Vorher suchten wir einen Platz am Meer; für die Mittagspause oder zum Fischen. Vergeblich! Es nieselt aus den tief hängenden Wolken und am Wegrand liegen die Reste von einigen ausgebrannten Wohnwägen. Der bergwärts führende Weg wirkt nicht mobiltauglich. Eine alte Frau zerstreut unsere Bedenken – aber ihr Aussehen erinnert mich an die Hexe bei Hänsel und Gretel. – So fahren wir bergwärts und sind nach wenigen Kurven in der Waschküche allein. Natürlich wieder Single track road mit Passing places. Die Fahrbahn ist nur unmittelbar vor dem Auto zu erkennen und in den vielen engen Kehren suchen wir förmlich den Straßenverlauf. Wir wissen auch nicht, ob sich links oder rechts ein Abgrund befindet – oder an beiden Seiten? Plötzlich Scheinwerfer vor uns – Gegenverkehr! Aber er steht zum Glück in einer Ausweiche. Danach lässt die Motorleistung nach! Wie und wann soll uns hier jemand helfen? Langsam kommt die Maschine wieder auf Touren – im Nebel konnte ich die Steigung einfach nicht erkennen! Weiterer Gegenverkehr in Kurven und Kuppen verlangt eine schnelle Redaktion. Wolfgang muss aufgeholt haben, denn er ermahnt schon wieder über Funk zum Linkssfahren. „Gonz linggs in da Mittn, wenn die Strossn a so iwa die Staudn einahengg” wie er in seinem Zillertalerisch zu sagen pflegt.
Am Scheitelpunkt wird es heller, die angespannten Muskeln lockern sich und die Talfahrt wird viel leichter. Als wir wieder ein Meter Meereshöhe erreichen, besuchen wir ein Inn. Die Spezialität des Hauses ist ein Cocktail aus Squad Lobstern.

Ver- und Entsogungsstationen in unserem Sinn gibt es hier überhaupt nicht. Aber in fast jedem Dorf gibt es öffentliche WC`s. Über Nacht werden sie versperrt, aber wir können unsere Musikkassetten in Zeiten ohne Massenandrang immer problemlos leeren. Ein Tipp aus unserer Erfahrung: ganz genau auf die Beschriftung des „Häuschens“ achten, denn nur wo WC drauf steht, ist auch WC drin! Die Bezeichnung „Toilet“ findet man selten; dabei ist es aber ganz wichtig, auf die Vollständigkeit des Wortes zu achten. Wenn durch Schreibfehler oder Verwitterung Buchstaben fehlen, wie zum Beispiel bei
„To let“ , dann wird es schwierig. Auf der Suche nach einem Klosett machten wir mit dem Schildchen „Closed“ am Beginn der Reise ebenfalls schlechte Erfahrungen. Herumsuchen und fragen mit der Kassette in der Hand ist doppelt unangenehm! ---- Hervorragend bewährt hat sich wieder das EU Abwasser-Versuchs-Projekt. Dabei wird Grauwasser in den umgebauten Abwassertanks verdampft. Die trockenen, bröseligen Rückstände werden in vorfrankierten Kuverts zu Forschungszwecken eingeschickt. Versuche mit dem Inhalt der WC- Kassetten laufen ebenfalls. Vielleicht könnte man bei ähnlichem Erfolg diese Rückstände dem Münchner Fäkalien-Markt zuführen?

Entlang der Nordküste nimmt in Richtung Osten die Landwirtschaft zu. Langsam können wir uns vorstellen, woher die Gerste zur Whisky-Herstellung kommt. Und „Petri-Heil“ hat sich mit Wolfsbarschen und kampfstarken Makrelen auch eingestellt. Das feiern wir mit einem ganz besonderen, marokkanischen Tröpfchen – einem Destillat aus einer Marillen-Oase am Rande der Sahara. Da werden wieder Erinnerungen wach. Bevor wir damals die Oase erreichten, hielten wir an einem breiten, aber sehr seichten, sandigen Fluss. Nach meiner Meinung geradezu ideal als Lebensraum für Seezungen – doch es wollte einfach nichts beißen! Im Schatten einiger Palmen warteten wir die heißesten Stunden ab und erreichten gegen Abend dieses Kleinod. Und jetzt ---- so viele tausend Kilometer weiter, kommt dieser Edelbrand doch noch mit Fisch zusammen!

Gerda, der gute Geist vom zweiten Mobil, wurde von einem Insekt gestochen oder gebissen. Als nach einigen Tagen weder Ratschläge noch Umschläge helfen, der rote Fleck sich eher vergrößert und anschwillt, stimmt sie doch langsam einem Arztbesuch zu. Spider, für das vermutlich bissige Tierchen und ein paar andere englische Vokabeln suchen wir noch vorher zusammen. Schwieriger wird es mit Gerdas Allergie. Wie soll man dem Arzt erklären, gegen was alles sie algerisch ist Wie sich aber herausstellen sollte, alles unnötige Mühe ---- dieser Dorfarzt spricht 15 Sprachen. Übrigens werden in Großbritannien Medikamente an Patienten mit über 60 Jahren kostenlos abgegeben.

Wir erleben Schottland als ein sehr angenehmes Wohnmobil-Reiseland mit einer aufgeschlossenen Bevölkerung. Oft werden wir gegrüßt und in ein Gespräch verwickelt, obwohl es mit dem Schottischen nicht ganz einfach ist. – Durchaus einfach hingegen ist es im Straßenverkehr zurechtzukommen. Man fährt zwar links aber sonst ist es durch Verkehrsschilder und Bodenmarkierungen nahezu idiotensicher. Beim Einbiegen in Kreuzungsbereichen zeigen Pfeile am Boden in die linke Spur, es gibt Verkehrszeichen, wo abgebremst werden soll, oder wo langsam fahren angeraten ist. Auch wo mit älteren Menschen oder weidenden Schafen auf der Straße gerechnet werden muss. Dass auf jeden Klim Bim eingegangen wird, sieht man an den Schildern „Climbing lane ahead“. Ein Halt an einem „Traktor turnig place“ hat nichts ergeben – wir konnten nicht erfahren, welchen Zweck man mit den Turnübungen der Traktoren erreichen will. Gesundes Altern oder Wendigkeit oder ...?

Immer wieder beobachten wir frei lebende Tiere. Anfangs freuen wir uns, wenn wir zwei, drei Hasen oder einen Seehund sehen, später sind es dann jeweils zwanzig oder dreißig. Einen Seehund konnten wir sogar beobachten, als er in einer Bucht sein Revier markierte. Große Lachse und Meerforellen springen im Meer und warten auf den richtigen Wasserstand, um in den Fluss ihrer Geburt aufzusteigen. An die Angel geht uns keiner dieser Salmonellen und kaum einem wird es gelingen, an den lauernden Seehunden vorbei zu kommen. Die erlaubte Abschussquote ist den Einheimischen viel zu gering. -- An einer Stelle ist es sogar möglich, so nahe an einen freistehenden Felsen im Meer heranzukommen, dass wir Papageientaucher mit freiem Auge deutlich sehen können.

Nicht alle Strecken führen uns an der Küste entlang und Steigungen und Gefälle mit 14, 17 und auch 20 % treffen wir häufig, obwohl die höchsten Berge kaum mehr als tausend Meter hoch sind. Dort stoßen wir sogar auf ein Schigebiet mit fast einem Dutzend Schleppliften - einige davon sind auch jetzt im Sommer in Betrieb und uns sind die leeren Parkplätze für die Mittagsrast willkommen. Talwärts begleitet uns ein Bach, der von Steinen mit roten Grünalgen eingesäumt ist.

Der Besuch von „Highland-games“ steht sicher auf der Wunschliste von jedem Schottland Besucher. Die ohrenbetäubende, schrille Musik einer Kompanie „Bagpipers“ lässt einem die Gänsehaut aufsteigen. Die Dudelsäcke, ursprünglich als Begleitmusik für angreifende Truppen eingesetzt, lassen sich gar nicht leise spielen. – Etwas exotisch muten die Baumstamm- und Hammerwerfenden Atlethen im Schottenröckchen schon an. – Der größte Andrang herrscht aber zu den „Military Tattoos“ in Edinburgh. Fast den ganzen August Tag für Tag 9.000 Besucher, und zwar auf Wochen im Voraus ausgebucht! Uns gelang es, Karten zum Normalpreis auf der Straße zu kaufen! Wer sie nicht besuchen konnte, hat echt etwas versäumt. Aber auch die Organisation am Beginn und Ende, mit Gepäcks- und Kartenkontrolle, ohne jedes Gedränge über einen einzigen Zu- bzw. Abgang, hat uns beeindruckt.

Mehr will ich nicht mehr verraten. Für jeden soll noch etwas zum selber Entdecken übrig bleiben, und wenn auch heuer die meisten wolkenlosen Tage in die Nacht gefallen sind, für uns könnte Schottland durchaus wieder einmal ein Reiseziel werden!

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[Schottland 05]