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Kopfleiste

MAROKKO 2005

von Eva und Christian

DIE ABREISE hat sich heuer durch unterschiedlichste Termine immer wieder hinausgezögert. Das Mobil wurde in den vergangenen Tagen eingeräumt und jetzt ist es soweit.
Für die Jahres- bzw. Tageszeit zu leicht bekleidet, stehe ich mit dem restlichen Handgepäck im windgeschützten Eingangsbereich unseres Hauses, während Evi den Pkw aus der Tiefgarage holt. Eine Mitbewohnerin, welche durch ihre Betreuung von herrenlosen Katzen von vielen „Mutter Theresa der Katzen“ genannt wird, fragt auf Grund meiner Gepäckstücke, ob wir wegfahren würden. Die wahrheitsgetreue Antwort „ ja, nach Marokko“ verursacht einen Aufschrei der Heiterkeit, ganz wie nach einem gelungenen Scherz. Schnell muss sie meine schlagfertige Antwort einer weiteren Nachbarin erzählen!
Am Abstellplatz unseres Mobils sollte alles glatt gehen. Die Ausfahrt habe ich am Vortag vom Schnee freigeschaufelt und gesalzen. Letztes Umladen. Die Wechselkennzeichen Halterungen sind in der Kälte so geschrumpft, dass sich die Nummerntafeln nur ganz schwer tauschen lassen. Die Gasheizung mit Gebläse läuft auf höchster Stufe, damit die Wasserinstallationsbereiche angewärmt werden. In diesem Sinne begrüße ich auch die Baustellen – bedingte Umleitung zu der Tankstelle, wo wir Wasser füllen wollen.
Beim Wasserfüllen stehen wir quer vor der Autowaschanlage. Und weil es heute etwas milder ist, kommt auch schon der erste Kunde. Aber damit nicht genug! – Das Frischwasserablassventil ist geöffnet festgefroren und das Sicherheitsventil des Boilers schließt nicht. So stehe ich mit nassen, eiskalten Fingern und mit Kreuzschritt vor dem Einfüllstutzen als mir Evi herausruft: „Der Wasserhahn im Waschraum rinnt.“
Nun aber alles einmal der Reihe nach! Beiseite fahren, Ursache für den Kreuzschritt beheben, Finger massieren und, die Anweisungen meiner besseren Hälfte ignorierend, wärme ich zuerst mit dem Haarfön das Sicherheitsventil an. Als Nächstes wird der Wasserhahn im Waschraum neu zusammengebaut – zu schnell – noch einmal ganz langsam. Neue Anweisungen bleiben aus: Evi putzt die Windschutzscheibe. Also, Wasserpumpe „EIN“ Kontrolle im Waschraum, ja dicht! Noch einmal vergewissere ich mich – Dusche dicht – Waschraum auch noch immer. Doch hinter mir? Ich fahre herum. In der Küche rinnt es. Die Mischbatterie war offen und das Becken zugedeckt! Aber jetzt brauchen wir wirklich nur mehr trocken wischen und Wasser füllen. Dann geht’s los.

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Die Spezialmaut über die Autobahn auf den Brenner wollen wir nicht ausgeben. Der letzte Schneefall liegt bereits einige Tage zurück und so kommen wir mit Sommerreifen auf der Bundesstraße gut zurecht. Eine „Brennerjause“ fürs Abendessen und ab auf die ital. Autobahn, wo die Entfernung rasch schmilzt.

An der „Cote d`azur“ begrüßen uns blühend Mimosen und Rosmarien.

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Nach dem Grenzübergang „ venti miglia „ bleiben wir auch auf der französischen Seite noch für ca. 20 km auf der Autobahn, um dem Verkehr und dem Gassengewirr in Monako zu entgehen. Das Salz unserer winterlichen Straßen entfernen wir bei einer Autowäsche in Frankreich und fahren abends noch bis Saintes Marie de la Mer in der Camargue.

Den Stellplatz kennen wir; außerdem ist morgen Wochenmarkt. Dieser ist deutlich kleiner, als wir ihn in Erinnerung haben. Viele der Häuser werden erst um Ostern herum bezogen. Die pikanten Oliven und die regionalen Käsesorten werden aber trotzdem

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angeboten. Den Weinvorrat liefert uns der Bauer in 5 l - Cubiteres zum Mobil auf den Stellplatz.
Auf Grund von Recherchen und Erkundigungen im Internet wissen wir, dass es am Dienstag, den 8.Feber eine marokkanische Fähre von Sete nach Melilla gibt. Preis 696,00 Euro. Nach Errechnung der Treibstoffkosten für die restlichen elfhundert Kilometer, der Maut auf der spanischen Autobahn, sowie der Kosten für die Fähre von Almeria nach Melilla, ergab sich ein Aufpreis von ca. 250,00 Euro. Ja das gönnen wir uns auf der Hinfahrt!

In Sete finden wir als erstes das Gebäude des Hafenkapitäns für Sport- und Handelsschiffe. Um das Wo, Wann und Wohin zu erfahren, überquert Evi den Parkplatz. Bei ihrer Rückkehr erfahre ich, weshalb sie das so eigenartig hüpfend tat; der ganze Platz ist voller Tretminen! Hier ist wohl der Lieblingstreff aller Hunde der ganzen Umgebung!
Als wir das Gelände der Ferry Marocc finden, ist es völlig leer und verlassen. Die Schalter in der dunklen Abfertigungshalle ebenfalls. In einer seitlichen Gangnische kramen zwei Marokkaner mit Dokumenten und Formularen. So werden wir auf ein Fenster zu einem Büro aufmerksam. Nach dem langen Hin und Her der beiden dunkelhäutigen Typen erfahren wir: die Linie nach Melilla verkehrt erst ab Juni und das neue Fährschiff „Marakesch“ befindet sich zum Überholen im Trockendock. Die „Biladi“ fährt am 12.2., also am „Schödi“, wie mir das Mademoiselle zwei mal erklärt. Um 19 Uhr. Aber auch positive Überraschungen sind dabei. Der Preis von 696 € stimmt und beinhaltet: ein Mobil mit beliebiger Größe, zwei Personen und ein Haustier in Luxuskabine, mit Vollpension und zwar für Hin- und Rückfahrt! Das gab schließlich den Ausschlag. Um dieses Geld können wir gar nicht selber fahren! Nach dem Mittagessen haben wir reserviert und suchen anschließend einen Campingplatz (CP) mit Strom. Durch die geschlossene Wolkendecke waren die Solarzellen seit einer Woche arbeitslos.
Als wir am Donnerstag Mittag zurückkommen, sind die Spuren zum Einschiffen schon halb gefüllt. Viele vollgepackte Kastenwägen, oft noch bis hoch übers Dach mit europäischem „Abfall“ beladen. Alte Fahrräder, ganz und in Teilen, gebrauchte Reifen – aber auch Haushalts - Sperrmüll. Das Ent- und Verladen zieht sich hin, irgendwo einmal eine kleine Hektik, aber sonst fast so, wie wir es von anderen großen Fähren auch gewohnt sind. Dieses „fast so“ bezieht sich auf die Abfertigung durch den franz. Zoll. Da fragt uns doch tatsächlich einer der Beamten nach unserem Bargeld. Meine lächelnde Gegenfrage „heute im Zeitalter der Plastikkarte?“ befriedigt ihn nicht. Wir müssen ihm doch tatsächlich die Geldtasche aufmachen! Vielleicht haben diesem, an den Umgang mit Marokkanern gewöhnten Mann, einige Scheinchen zwischen unseren Papieren gefehlt?
Die Einreiseformalitäten für Marokko werden schon auf der Fähre während der Überfahrt erledigt. Die Durchsagen im Lautsprecher zum Wann und Wo erfolgen in arabischer und französischer Sprache. Wir finden eine Schlange anstehender Menschen in einem Kabinengang und stellen uns hinten an. Geschicktere reihen sich weiter vorne ein. Nach geraumer Zeit sehen wir in den Bereich eines Querganges, in welchem sich eine Art Office mit 2 Beamten befindet. Eine weitere Schlange anstehender Menschen kommt aus diesem Gang. Manchmal beobachten wir den Wechsel von einer Schlange zur anderen. Immer wieder manövrieren wir Quereinsteiger mit Unschuldsmiene aus. Richtig oder falsch angestellt erweist sich vor dem Uniformierten. Zuerst die Personen - Abfertigung, dann die Autoformalitäten. Kein Schild gibt Auskunft über Reihenfolge oder Tätigkeit

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des jeweiligen Beamten. Auch kann man nach der Personen - Abfertigung nicht zum Zöllner am Schalter daneben weitergehen – nein, noch einmal neu anstellen!
Beim Einlaufen in den Hafen von Tanger erkenne ich das Stadtbild sofort wieder. Es hat sich in den vergangenen 40 Jahren nicht verändert. Schon bald verlassen wir das Schiff und werden in 4 Wartereihen für Mobile eingewiesen. Pkw`s kommen im rechten Winkel zu uns in vielen Spuren in eine offene Halle. Im Verlauf einer Stunde ist nirgends eine

Abfertigungs- oder Kontrolltätigkeit zu erkennen. Auf der Ausfahrtsrampe der Fähre sorgt ein Auffahrunfall für Abwechslung. Wild fuchtelnd beschimpft der Beschädigte den Beschädiger. Verladepersonal kommt hinzu, dann noch ein Polizist. Ohne sichtbaren Austausch der Personalien fährt schließlich der Beschädigte davon. Nun lässt sich der andere Pkw weder starten noch über die Rampe hinauf schieben. Ein uralter „Trakteur“ holt ihn schließlich. In der Zwischenzeit beginnt ein Zöllner die Auto-Einreise-Formulare von verschiedenen Reihen einzusammeln. Keine Reihenfolge, kein Vermerk des Kennzeichens oder der Nationalität. Einfach von denen, die sie eben gerade bei der Hand haben. Wieder warten! Ich mache mich auf die Suche und finde zwei, sich unterhaltende Uniformierte. Meine Anrede „Monsieur Comandante“ zeugt vom nötigen Respekt eines Touristen. In den entgegengestreckten Formularen finde ich unseres ganz schnell, ein Sanktus an der nächsten Motorhaube und wir können ausscheren. Beim Verlassen des Zollhafens sind wir meinem Stadtbild ganz nahe und jetzt wirken die Häuser auf dem westlichen Hügel wie Theaterkulissen von hinten.

IN MAROKKO: Wie von der Sonne in den Schatten, so unvermittelt sind wir im marokkanischen Stadtverkehr. Nichts eigentlich Neues, dennoch momentan gewöhnungsbedürftig. Leit- und Sperrlinien haben hier nicht so viel Bedeutung, in zweiter Spur Parkende, Ausscherende und Einbiegende ohne Blinker, entgegenkommende Eselkarren auf der linken Seite und dabei die Ausfahrt nach Rabbat suchen. Tanken müssen wir auch bald! Immer mit der Ruhe; ein Polizist weist uns die Richtung, das wird schon – Inshallah.
Noch nicht weit gekommen, sehen wir einige Wohnmobile an der Burgmauer einer abseits am Meer gelegenen Stadt. Blinker rechts und abbiegen. Der Platz beim Städtchen Asilah gefällt uns auf Anhieb. Und so ist unsere heutige Tagesetappe nur 46 km lang. Der Vorteil alleine zu reisen, wird uns schon am ersten Tag in Marokko so richtig bewusst. Diesen ungeplanten Stop hätte man einem Reisepartner gegenüber gut argumentieren müssen. Wir verbringen hier 3 herrliche Tage, spazieren durch die blitzsaubere Medina und überstehen die ersten „Helfer“, welche uns bei Einkäufen in erster Linie zu einem 5fachen Preis verholfen hätten. Die „Frischeingereisten“, noch „Blassen“ sind die bevorzugten Opfer. Am Hafen kaufen wir direkt von einem eingelaufenen Boot einen Rochen. Immer schon wollte ich einen probieren. Manche Fische bewegten noch die Flossen,

andere die Kiemendeckel. Unserer schien beim Zerlegen zu schnappen. Beim Nachlesen über Farbe und Form kommen wir jedoch zu der Überzeugung, dass wir einen Zitterrochen gekauft haben. Er hat also nicht geschnappt, sondern beim Zerteilen empfindliche Stromstöße verteilt. An den mitgenommenen Teilen war übrigens wenig Essbares – viele knorpelartige Flossenstrahlen, die sehr sulzig waren.
Die halbe Strecke nach Fes legen wir über die Autobahn zurück. Diese ist in sehr gutem Zustand,

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billig und fast leer. Auf dem Weg zum CP “Diamant verte“ wimmeln wir immer wieder Schlepper ab, welche uns zum doppelt so teuren Camping „International“ führen wollen.
Direkt vor unserem CP hält der Bus Nr. 17. Der Einstieg ist steil und hoch und wir lösen die Fahrscheine beim Schaffner. Die Umsteigemöglichkeit zum Bus 29 bejaht er. Im Bus fehlen einige Seitenscheiben und eine ist lose im Rahmen. Dadurch ist es jetzt am Morgen fast empfindlich kalt und es

klappert, als würde die Kiste auseinander fallen. Die Haltestange im vorderen Bereich ist lose und herunter gebogen. Der durchgerostete Fahrzeugboden ermöglicht die Beobachtung von Vorderachse und des Lenkgestänges auf dem Weg über die Schlaglöcher. Am „Armaturenbrett“ ist kein einziges Lämpchen, kein Schalter, keine Anzeige und auch keine einzige Armatur mehr. Das ist nur mehr ein „Schwarzes Löcher Brett“. Es geht ja auch so- Inshallah.
Die einheimischen Fahrgäste haben im vorderen Teil Platz genommen. Dort zieht es nicht. Die kehligen Wortfetzen enthalten eine Menge, mit viel Luft, kurz hervorgestoßene Mitlaute und scharfe CH`s. Auch unterbricht niemand sein Hervorstoßen von Lauten, wenn sich andere daran beteiligen. Kein Wunder, dass ich das anfangs für eine weitverbreitete Halskrankheit halte.
Ein Guide vom CP wollte uns durch die Medina führen – entweder er hat uns versetzt oder wir haben ihn beim Umsteigen abgehängt. So ziehen wir zwei Tage lang alleine kreuz und quer durch das alte Fes. Wir sehen Souvenir- und Schmuckläden, Tauben- und Hühnerhändler, kleinste, dunkle Hinterhofräume, um nicht Löcher zu sagen, wo immer wieder mehrere Personen alles Mögliche produzieren. Aber auch in der Gasse sitzend wird gesägt, geschnitten, gebogen, gehämmert und

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gelötet. Selbstverständlich schauen wir uns auch dieses Mal das stinkende Gerber- und Färberviertel an. – Die Rückfahrt mit überfüllten Bussen ist auch kein Problem. Beim Um- oder Aussteigen schlägt man mit der Faust gegen das ungepolsterte Dach und der Fahrer weiß Bescheid.
In Richtung Süden durchfahren wir immer wieder herrliche Gebirgslandschaften. Schneehaufen am Straßenrand erklären die tiefen Nachttemperaturen. Als wir die Minen- und Mineralienstadt Midelt erreichen, schaut der, quer vor uns liegende „Haute Atlas“ aus, wie eine gigantische Gletscherwelt.
Die Fremdenlegion hat einst die blaue Quelle von Meske in dieser Flussoase gefasst. Immer noch ist das Becken mit glasklarem Wasser gefüllt und es wimmelt vor lauter „sacre“ Karpfen. Uns scheint die Zufließmenge von Wasser und Touristen weniger geworden zu sein. Die Händler mit dem teuren Souvenir – Ramsch hingegen nicht!
Auf dem eigentlich trostlosen Camping Municipal in Erfoud gefällt uns das Rundherum, und wir verbringen hier einige Tage. Am Platz herrscht ein lebhaftes Kommen und Gehen aller europäischen Nationen. Händler empfehlen ihre Läden und fragen nach Tauschwaren. Ein, uns bereits bekanntes, Schacherer – Ehepaar trifft ein und Madame scheucht auch gleich das Campingpersonal zum Säubern der Waschanlage. Monsieur hat sich nicht aufgeregt – die Herrenanlage bleibt ungeputzt!
Jenseits des Qued de Ziz erhebt sich ein, von einer militärischen Funk- und Radarstation gekrönter, Berg. An seiner Flanke beobachte ich kreisende, große Vögel. Deutlich unterscheide ich schwarze und weiße. Mit dem Feldstecher wird klar, dass es sich weder um Bussarde noch Störche handelt. Es sind aber auch keine Geier – nein, da drüben steigen Nylonsäcke in der Thermik. Diese Qued’s sind trockene Flusstäler und ihre Uferböschungen dienen im Ortsgebiet meist der Müllablagerung. Immer wieder wird er dort auch verbrannt. Leichte Materialien werden vom Wind hoch hinauf oder weit weg geblasen. Was sich nicht in Zweigen verhängt, kommt wieder zurück, wenn der Wind sich dreht. Beim Öffnen von Stausee – Schleusen, Gewitter oder Schneeschmelze füllt sich der Fluss wieder mit Wasser, und dann wird auch der Rest verräumt.
An der alten Straße nach Merzouga befindet sich in etwa 20 km Entfernung ein Riff aus jener Zeit, als Marokko noch vom Meer bedeckt war. Dort wird Gestein mit Fossilien gebrochen und eine Schleiferei, wo solches Gestein geschliffen und verarbeitet wird, schauen wir uns natürlich auch an. Wir finden ein Internet, ergänzen unsere Vorräte im Souk und erleben einen Regenguss mit Regenbogen; doch auch Wind mit unangenehm viel Staub. Evi windet sich nach Art der Einheimischen ein Tuch um den Kopf und schaut aus, als hätte sie ihr Kamel gerade um die Ecke abgestellt.
Vorher haben wir aber noch den Erg Chebbi besucht. Es ist das Gebiet mit den, von Algerien herüberreichenden, höchsten Sanddünen Marokkos. Wo vor 20 Jahren unsere Mobile allein neben einer Lehmhütte mit ein paar Kamelen standen, gibt es heute zahlreiche Hotels, Herbergen und 8 Campingplätze. Der Nepp wird hier großgeschrieben. Gleich bei der Ankunft wird man, „nach alter Tradition“ zum Pfefferminztee gebeten. Und schon liegt der Auftragsblock für Allrad- und Kameltouren auf dem Tisch. Wir staunen nicht schlecht, für welch hohe Beträge sich so mancher

einen Ritt hinter die erste Düne aufschwatzen lässt. – So verändern eben wenige Kilometer Asphaltstraße eine ganze Region.
Von der Strecke Rissani über Tazzarine nach Zagora wird uns von einem entgegenkommenden Mobilfahrer abgeraten. Er kenne das alles seit Jahren, aber da unten ist einfach nichts mehr. Dass wir gerade diese Route trotzdem fahren, bereuen wir nicht. Fast haben wir das Gefühl durch das Monument – Valley in Amerika zu fahren.

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Rote und braune Berge neben ockerfärbigen mit ganz dunklen Streifen; davor samtig grüne Felshügel und Kuppen. Die Vegetation ist äußerst karg. Oft sind wir uns einig: diese Gegend könnte keinen Esel ernähren. Und trotzdem! Sobald ein paar Sträucher auf Wasser schließen lassen, finden sich auch einige Behausungen. – Parallel zur Straße wurden Steinmännchen errichtet und weiß bemalt. Wenn sich beim Näherkommen eines bewegt, so ist es ein Autostopper.
Wir machen viele Stationen entlang der Wüste bis zum Meer im Westen. Oft lassen wir unser Mobil auf einem CP stehen und machen mittels Taxi Ausflüge in die nähere Umgebung.

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Petit Taxis im Ortsgebiet, bis 3 Pers., Taxameter! Grand Taxi, 6 Pers. a 6-7 Dh.. Wir bezahlen meist die Rücksitze, also für 4 Pers.. So kommen wir nicht in die Verlegenheit eine marokkanische Oma, Kinder oder geköpfte Hühner auf den Schoß zu kriegen. Dabei sehen wir Wochenmärkte, Eselparkplätze, Souks für den täglichen Gebrauch der Einheimischen und Kasbah`s. Das sind Lehm-Wohnburgen für Großfamilien. In dieser niederschlagsarmen Region können sie bis zu 400 Jahre lang bewohnt werden. Ein junger Bursche

zeigte uns die Räume seiner Familie. Wasser wird dort in griechisch anmutenden Tonkrügen aufbewahrt und mit einem Plastikdrahtwaschel gegen Fliegen verschlossen. Eine ehrerbietende Geste nach dem Genuss erinnert mich an unseren alten Brauch, Brot vor dem Anschnitt zu bekreuzigen.
Bettler gibt es viele, aber wir können nicht allen etwas geben. Wenn es uns einmal zu viel wird, ziehen wir die leeren Hosensäcke heraus. Für viele Kinder scheint es jedoch ein Sport zu sein. Einen Tennisball, eine Orange oder Brot – ja, aber niemals geben wir ihnen Geld. Ihre Frage: „Dirham?“ beantworten wir stets mit: „ein, zwei, fünf?“ und halten dann unsere Hand empfangsbereit hin.
Gesprächsanknüpfungsversuchen von Händlern und Schleppern wie: „ bon jour, gut geschlafen, hollandaise?“ begegnen wir erfolgreich mit einem tirolerischen „Griaß di“.
Wir gewöhnen uns an das Brot der Marke „Der Prophet schreitet durch die Wüste“. Seit einem Monat graschelt es beim Kauen zwischen den Zähnen. Unser Bedarf an Spurenelementen und Mineralien für das Jahr 2005 ist bestimmt schon gedeckt.
Auch der Anblick eines Tracktoranhängers oder LKW`s voller Ladegut und obendrauf noch Menschen ist für uns nichts Besonderes mehr. Obwohl bei uns ein Lebend–Vieh–Transport viel strengeren Bestimmungen unterliegt.
Zwischendurch beobachte ich am CP immer wieder weitverbreitete Wohnmobilistinnen – Eigenschaften: Neuankunft. Madame steigt aus und findet Gefallen an dem leeren Platz vis a vis. Monsieur nickt. Sie scheint irgendeine unsichtbare Schüssel umgehängt zu haben, in welcher sie nun abwechselnd mit einer oder beiden Händen zu rühren beginnt. Die Rückfahrscheinwerfer gehen an

und das Fahrzeug setzt piepsend zurück. Madame springt von links nach rechts, hebt die Arme und klopft gegen das Fahrzeug. Monsieur fährt noch einmal vor und sie beginnt von Neuem zu rühren. Das Selbe wiederholt sich dann noch einmal auf dem Platz neben uns, dann endlich scheint sie mit dem gerührten und geschlagenen Inhalt ihrer Schüssel zufrieden zu sein!?
Das kleine Örtchen Sidi Ifni in der früheren span. Enklave mögen wir gerne. Wieder sind einige alte Häuser renoviert

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worden. Evi erfährt, dass es neuerdings sogar einen Damen – Friseur – Salon gibt. Sie ist mutig und vereinbart einen Termin. Als ich sie am vereinbarten Zeitpunkt abholen will, ist sie noch nicht fertig. Beim Warten sehe ich aber auch, dass wir vor dem geplanten, anschließenden Internet – Besuch noch nach Hause müssen, damit sie sich kämmen kann. Aber vielleicht gibt es, sozusagen als Werbegeck, zu jeder Frisur ein neues Schleier – Kopftuch.
Um nicht in einem Fortsetzungsroman zu enden, will ich einige lustige Begebenheiten einfach ganz lose erwähnen. So beispielsweise von der älteren Dame aus unserem Bekanntenkreis, die uns zu Hause am Handy anrufen wollte. Als sie hörte, dass wir noch in Marokko sind, war sie ganz erstaunt, dass ihr Handy unsere Nummer in Marokko kannte; oder vom Essen in einem Restaurant mit deutscher Leitung. Seither wissen wir, dass es nicht zu den guten Vorzeichen gehört, wenn bei Ankunft von Gästen alle Katzen angelaufen kommen. All’ die bisherigen Kunden haben die gegrillten Flachsen und Knorpel nicht selber gegessen!. * Auf einspurigen Asphaltstrecken fahren wir lange vor einer Begegnung, besonders aber vor dem Überholtwerden soweit auf die Seite, dass der andere Verkehrsteilnehmer auf dem Asphalt bleiben kann. Das nervt vielleicht manchmal, bestimmt aber weniger, als wenn einer der vielen Windschutzscheiben-Scherbenhaufen von unserem Auto wäre. * „Tirol Heute“ können wir am Rande der Wüste nicht immer empfangen. * Wenn ein Stadt-Linien-Bus mitsamt seinen Fahrgäste auf eine Tankstelle fährt, begreift man vielleicht auch erst beim zweiten Hinschauen, was da anders ist.* Urkomisch auch der Franzose, welcher zum Petonque – Spiel immer ein Schürzchen über seine kurze, weiße Hose anzog und ein Handfunkgerät einsteckte. Natürlich funkte seine Frau immer in unpassendsten Spielphasen. Einmal beendete er ein solches Gespräch, indem er die Handgurke kurzerhand in die Schürzentasche steckte und weiter spielte. Welch Gelächter, als sie noch lange aus der Schürze plapperte.
Oder die Geschichte mit den Berberfeigen. In einer Gegend mit Kakteen, voll mit reifen Früchten wollen wir doch auch einmal kosten. Wir wissen aber nicht, ob es sich bei den Kakteen um herrenloses Unkraut oder Kulturpflanzen handelt. Ausgerechnet jetzt kommt uns ein hochaufgepackter Esel und sein Treiber entgegen. Wir schauen also ganz unschuldig rund ums Auto und in die Gegend. Ausgerechnet hier lenkt er seinen Berber 4x4 zu uns herüber und stellt ihn ab.

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Nach kurzem „bon jour“ hin und her, bietet er uns an, uns die Handhabung dieser Früchte zu zeigen. Auch Marmelade aus diesen Feigen finden wir einige Tage später. Ob in dieser die besonderen Wirkstoffe für den Mann erhalten geblieben sind, weiß ich nicht; wohl aber der durchdringend langweilige Geschmack.
Jedenfalls ist es auch heuer wieder eine wunderbare Zeit. Wohl haben die Franzosen den weitaus größten Anteil auf Camping- und Stellplätzen, aber trotzdem kann man von multinational

sprechen. Alle kaufen und kochen frisch, meist vor dem Mobil. Wenn dann der Geruch von Knoblauch, Holzkohlenrauch, Fisch und fremden Gewürzen über den Platz zieht, dann ist es Zeit für einen Plausch mit dem Nachbarn. Eine Dame zeigt mir, wie Seeigel zum Marinieren vorbereitet werden; eine Galizierin verrät das Rezept zu eingelegten Sardellenfilets und natürlich kommt auch die Frage: voullez vous goute? Und ein Engländer drängt mir eine Dose geräucherte Klippers auf.

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Aber trotzdem! Mit diesen Zeilen will ich auf keinen Fall jemanden zu einer Marokko – Reise überreden. Aufgeschlossenheit und Anpassungsfähigkeit ist unumgänglich! Wer sich an unverputzten Häusern, abbröckelndem Lehm oder nicht ganz perfekt entsorgtem Müll stört, wer unbedingt wissen muss, wo der Abwasserkanal hinführt, oder wer jeden Satz mit „ bei uns würde man das so......“ oder „ nein, bei uns wäre das unmöglich......“ beginnt, verdirbt sich und anderen die schöne Zeit.

NACHLESE: Bei der Rückfahrt hat sich die Autobahn nicht mehr so positiv präsentiert. Es herrschte sehr starker Verkehr – vielleicht auf Grund des Feiertages. Oft überquerten Fußgänger die Fahrbahnen und Absperrzäune, viele autostoppende Großfamilien säumten regelrecht die Fahrbahnen in Ortsnähe und ein Mopedfahrer mit seinem Opa hinten drauf, übte sich im Geisterfahren. Erstmals sahen wir Gendarmerie mit Radargeräten. Ob ihnen dieses bunte Treiben unbekannt oder ganz vertrauter Alltag war, blieb uns verborgen.
Eine weitere, neue Erfahrung wartete in Tanger. Bei einer Tankstelle, einem Kaufhaus und beim Warten zum Verladen im Zollfreihafen versuchten Jugendliche immer wieder zu unserem und anderen Wohnmobilen zu gelangen. Durch das Verhalten des Tankwarts aufmerksam geworden, er verjagte sie während des Tankens mehrmals, bemerkte ich, dass die Franzosen regelrecht Wache schoben, ihre Fahrzeuge umrundeten und immer wieder darunter schauten. Unter einem Fahrzeug, in der anstehenden Schlange, ganz hinten fand man einen schwarzen Passagier und am Mobil vor uns, nach einem vereitelten Versuch, eine aus Stricken vorbereitete Haltevorrichtung. Die jungen Marokkaner versuchten unter einem Fahrzeug hängend nach Spanien zu gelangen. Die Vorstellung, durch das „Verlieren“ eines solchen Passagiers in einen Unfall mit Personenschaden, oder vom französischen Zoll des Menschenschmuggels verdächtigt zu werden, war alles andere als angenehm. Bei der Rückfahrt war die See wieder ruhig und so löste sich langsam der Knoten im Magen denn unsere Fahrzeuge tief unten wurden oft mit nur wenigen Zentimetern Abstand eingewiesen. Obwohl noch immer viele Marokkaner um uns herum waren, wollte uns plötzlich niemand mehr etwas verkaufen, und keiner rief mehr „Missjö, Missjö“ in unserem Rücken.

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