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Mit dem Wohnmobil nach Libyen und Tunesien Teil 1
Ein Urlaub mit Freunden bei Freunden (Februar – März 2006)
von Ingrid und Hans Lautenbacher
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Vorwort
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Schon seit einigen Jahren dachten wir über eine Libyenreise nach. Als überzeugte Alleinfahrer kamen wir sehr bald zu der Ansicht, dass dies durch die besonderen Umstände in diesem Land schwierig wird.
Vor allem die obligatorische Begleitung störte uns. Als Mitfahrer in unserem Fahrzeug mochten wir dies ungern, sollte der Begleiter im eigenen Fahrzeug fahren, müssten erhebliche Kosten einkalkuliert werden.
Auch die vielen Gänge zu Behörden, die Genehmigungen, die in Süd-Libyen im Bereich der algerischen Grenze notwendig sind, die notwendigen Verhandlungen mit dortigen Reiseagenturen – einige Ziele im Südwesten konnten nur mit Geländewagen und mehrtägiger Zeltübernachtung besucht werden, desgleichen die Fahrt zu den Mandara-Seen – all dies würde viel Geld, viel Zeit und bestimmt jede Menge Stress kosten.
Was blieb? Eine Gruppenreise mit vielleicht 10 oder gar noch mehr Fahrzeugen – nein danke.
Dann lasen wir in einem Inserat von einer „ganz anderen, geführten Tour“, anders als alle anderen? Dies machte uns neugierig. Nach dem Studieren der angeforderten Unterlagen glaubten wir auf Anhieb, dass diese Agentur die richtige für uns sein könnte.
Der Agenturinhaber leitete die Reise. Als gebürtiger Nordafrikaner, der die Landessprache beherrscht, die Mentalität seiner Landsleute ebenso kennt wie die unsere und – besonders wichtig – über unzählige Kontakte verfügt, da konnte kaum noch etwas schief gehen.
Wir schrieben dies Freunden, die wir von einer Reise in den Senegal kannten. Unabhängig von uns hatten sie sich ebenfalls für diese Tour interessiert, desgleichen zeigte ein weiteres Paar, welches wir auch kannten, Interesse.
Nun, wir starteten zu sechst in drei Mobilen, sammelten uns in Genua und wurden in Tunis von unserem Reiseleiter im Fährhafen abgeholt. Nach wenigen Tagen sahen wir, dass unsere Entscheidung richtig war. Mouldi, der schon sehr bald unser Freund wurde, hatte nur eines im Sinn: Unser Wohlbefinden und dass er uns in kurzer Zeit alles Wichtige seiner Heimat zeigen konnte. Außerdem waren wir mit insgesamt vier Campingfahrzeugen sehr flexibel, legten einige Male Tagesstrecken zusammen, um dann an einem interessanten Platz auch 'mal zwei Tage bleiben zu können. Um es vorweg zu sagen, die Reise war so, wie wir sie uns gewünscht, aber nicht unbedingt erwartet hätten.
Übernachtet haben wir überwiegend in freier Natur, hin und wieder in Campments, diese für 4x4 Fahrer eingerichteten Plätze mit Miethütten und Sanitäranlagen. Hier fanden wir meist noch ein schönes freies Plätzchen unter Palmen. Zwei Mal standen wir im Garten einer Jugendherberge und einmal mussten wir auf einen Campingplatz. Auch verbrachten wir drei Nächte in Tripolis auf dem Zentralparkplatz.
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Es geht los!
Am 29. Januar starten wir bei Kilometerstand 150.698. Über Breisach, Besançon geht es die Rhône entlang bis zur Mündung. Hier an der Plage de Piemançon wollten wir bleiben, leider war der Strand, sonst viele Kilometer befahrbar, leicht überflutet. Wir fuhren zurück zum offiziellen Stellplatz in Salin de Giraud. Nach Stellplätzen in St. Maxime und San Remo erreichten wir Genua und die Fähre. Die ersten 1765 km waren geschafft.
Nach der etwas chaotischen Fahrt durch das Hafengebiet von Genua und der schlecht organisierten Grenzabwicklung standen wir am Samstag, 4. 2. 2006 endlich an Deck.
1. Woche
Wie versprochen wurden wir Sonntag nachmittag in Tunis (Fährhafen La Goulette) nach der Passkontrolle abgeholt. Begrüßung und gleich weiter zur Ausgrabungsstätte Thuburbo Majus, unser Schiff hatte Verspätung und wir kamen gerade noch bei Helligkeit an. Mit schönem Blick auf das beleuchtete Kapitol verbrachten wir hier unsere erste Nacht in Tunesien.
Tageskilometer 55
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Am nächsten Morgen ging es bald weiter. Ziel waren die Ghorfas bei Medinine, jene Gemeinschaftsspeicher und Fluchtburgen der Nomaden. Diese oft mehrstöckigen Tonnengewölbe bilden um die Innenhöfe gruppiert ein Ksar.
Tageskilometer 395
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Ein libysches Nummernschild ist Pflicht
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Nach längeren Grenzformalitäten, mit Erstellung des Visums, Erhalt der libyschen Nummernschilder, Abschluss der Versicherung, Ausstellung des Carnets de Passage warteten wir auf die Zollkontrolle, die dann bei uns selbst recht lässig durchgeführt wurde. Bereits hier machte sich unser Reiseleiter positiv bemerkbar. Eine deutsche Wohnmobilgruppe wartete viele Stunden länger, durch den Plausch unseres Freundes Mouldi mit den Verantwortlichen ging's eben flotter, in ca. fünf Stunden waren wir in Libyen. Nun geführt durch die obligatorische Begleitung im eigenen PKW erreichten wir unser Etappenziel, den Garten der Jugendherberge der Ausgrabungsstätte Sabratha. Das Wetter war kalt und windig.
Tageskilometer 221
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Den Mittwoch verbrachten wir in Sabratha, Besichtigung und Stadtbummel. Die Ausgrabungen gehören zusammen mit Leptis Magna zu den wichtigsten in Afrika.
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Heute ging's weiter. In Nalut ließen wir uns durch Altstadt und Speicherburgen führen, um gegen Abend in Ghadames anzukommen. Es wird etwas wärmer, ca. 17°.
Tageskilometer 568
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In dieser Oase direkt an der algerischen Grenze (Grenzübergang gesperrt) könnte man tagelang bleiben. Der alte Karawanenort steht unter dem Schutz der Unesco. Wir besichtigten morgens Museum und Altstadt...
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...nachmittags fuhren wir zu den in der Nähe liegenden Salzseen und wanderten auf die Ruine eines Römerkastells.
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Auf den Ruinen des Römerkastells
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Am nächsten Tag fahren wir gegen 7 Uhr los. Zuerst rechtwinklig nach Osten durch Gariyat und Shwayrif, um ca. 80 km südlich dieser Stadt, die Teerstrasse zu verlassen und in der Wüste zu übernachten. Bei der Durchfahrt von Shwayrif fielen uns schon die Händler auf, die unter hektischem Gehabe – wie wir meinten – Kartoffeln verkauften. Es waren Trüffel. Wenn es in dieser Gegend stärker regnet, schießt diese Delikatesse, eben wie sprichwörtlich die Pilze, aus der Erde. Ganz billig ist die Sache nicht: Kilogrammpreis, egal ob schwarz oder weiß 11 Euro. Abends gab's als Nachspeise Trüffel satt. Unser guter Geist Mouldi hatte sie für unseren inzwischen neuen Begleiter als Abendessen spendiert. Dieser übernahm dann auch die Zubereitung.
Tageskilometer 580
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Angelockt durch eine künstliche Palme in der Wüste, besuchten wir dieses Restaurant...
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...was sich lohnte, es gab jede Menge orientalische Spezialitäten
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2. Woche
Heute, Sonntag, den 12.2.2006 fuhren wir bei diesigem, warmen Wetter nach Sebha. Laut unseren Unterlagen ist Sebha eine unsichere Stadt, da die wichtigste Landroute nach Europa hier verläuft. Angeblich hat die Stadt mehrere 10.000 illegale Einwohner, welche sich mehr oder weniger durch kriminelle Handlungen über Wasser halten. Wir selbst haben im Zentrum eingekauft und von all dem nichts bemerkt. Fakt ist aber, dass bei Einbruch der Dämmerung Touristen im Umkreis von 30 (?) Kilometern zur Übernachtung im Bereich der vielen Polizeikontrollen „überredet“ werden. Eine Sache, die der obligatorische Begleiter sowieso im Griff hat. Wir selbst fühlten uns im aufgesuchten 4x4 Campment sehr gut aufgehoben, leider war das Schwimmbad wegen der Jahreszeit nicht verfügbar.
Tageskilometer 310
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Montag früh starteten wir wieder Richtung Westen. Germa war unser Ziel. Zuerst besuchten wir die Ausgrabungsstätte, die wohl noch sehr in den Anfängen liegt, dann ging's nach dem Museumsbesuch (interessant!) zur Übernachtung wieder auf ein Campment. Schon bei den Ausgrabungen bemerkten wir ein Fernsehteam, welches uns fotografierte, am Abend erfuhren wir den Grund: Das staatliche Fernsehen drehte einen Film über den Tourismus im Süden des Landes. Zum Abschluss gab es ein Folklore-Spektakel, zu dem wir als wohl einzige (?) Gäste eingeladen wurden. Zum Teil wurden wir animiert mitzutanzen – was auch geschah.
Tageskilometer 159
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Dienstag machten wir dann einen ganztägigen Ausflug mit Geländewagen zu den Mandara-Seen. Hier tief in der Sandwüste versteckt sich ein gutes Dutzend Seen, eingerahmt von Palmen und hohen Dünen. Diese Seen sind ein Naturphänomen und sicherlich ein Höhepunkt jeder Saharareise. Die Zufahrt ist selbst für Allradfahrzeuge schwierig – unsere Mobile blieben im Camp.
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Wechselbilder
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Es wird etwas wärmer, ich denke so um die 18° C. Wir fahren über Ubari (gute Einkaufsmöglichkeiten) nach Al Awaynat. Nachdem auf dem geplanten Übernachtungsplatz bereits eine Gruppe von bestimmt 12 oder mehr Mobilen aus Deutschland stand, suchten wir einige Kilometer weiter einen geeigneten Platz hinter einem Restaurant.
Tageskilometer 284
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Da heute nur eine kurze Etappe geplant war, ließen wir es langsam angehen. So gegen 14 Uhr erreichten wir Ghat. Hier in dieser Grenzstadt zu Algerien stehen noch die verlassenen Lehmbauten der Altstadt. Überragt wird der kleine Ort von einer Festung aus der Türkenzeit. Nach der Besichtigung der Altstadt fahren wir wieder auf einen für 4x4 Fahrer eingerichteten Platz. Es wurde ein etwas außerhalb gelegener ummauerter Platz ausgewählt, da unsere Fahrzeuge doch einigermaßen sicher einige Tage stehen bleiben sollen.
Tageskilometer 127
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3. Woche
Die nächsten Tage verbrachten wir in der Sand- und Steinwüste des Akakus.
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Aber auch das Fahren in den nicht mehr taufrischen Geländewagen, pilotiert von echten Könnern, war ein Erlebnis. Nie hätte ich gedacht, dass ein 4x4 Toyota solch extreme Steigungen schafft, ohne zu kippen, ohne sich zu überschlagen.
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Wechselbilder
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An diesen Tagen wurden wir komplett verpflegt, Gerichte nach Landesart, von Ali, unserem jungen Koch zubereitet – exzellent. Ali gehörte unserer Begleitungscrew an.
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Das abendliche Schlafen in kleinen Zelten hatten wir auch über die Jahre nicht verlernt, da hin und wieder noch praktiziert.
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Es war faszinierend, nicht nur die Landschaft mit ihren skurrilen Felsgebilden...
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...die uralten Felsmalereien, die Gravuren, nein einfach alles. Wir waren beeindruckt.
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Nun auch diese erlebnisreichen Tage gingen vorbei, es folgte eine Pause in Germa, dieses Mal auf einem Campment unmittelbar hinter den Dünen.
Tageskilometer 425
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Mittwoch, den 22. Februar war es dann wieder Zeit weiterzufahren. Unterwegs gab es nicht an jeder Tankstelle Diesel. Das Wetter war sonnig und windig. Nachmittags kamen wir in einen Sandsturm, fragten bei einem Polizeiposten nach einem geschützten Platz und schlugen unser Lager auf. Auf freier Strecke, ca. 20 km nach der Stadt Hun.
Tageskilometer 559
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Heute überlegten wir, es den Einheimischen gleichzutun und zumindest die Fahrzeugfront mit Diesel zu überschütten, es bildet sich innerhalb von Sekunden eine Schutzschicht und der Lack behält seinen Glanz. Doch der Sand ging in Staub über und machte diese Prozedur überflüssig. Der Sturm aber blieb, an eine Übernachtung in freiem Gelände war nicht zu denken. Wir fuhren weiter wie geplant, auf den mit Bäumen und Büschen geschützten Parkplatz der Ausgrabungsstätte Leptis Magna.
Tageskilometer 469
Am Freitag besichtigten wir einige Stunden dieses libysche Highlight, Leptis Magna. Die direkt am Meer gelegene Ruinenstätte steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Wie Karthago wurde auch Leptis nach den Punischen Kriegen der Provinz Africa angegliedert.
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Wegen dem noch immer anhaltenden Sturm verzichteten wir auf die geplante Strandübernachtung und fuhren auf den Zentralparkplatz in Tripolis. Hier zwischen Passagierhafen und Altstadt, in unmittelbarer Nähe des Museums, verbrachten wir einige ruhige, schöne Tage - auch wenn wir auf Asphalt standen.
Tageskilometer 127
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Höhepunkt war unser Besuch des Museums, keiner unserer kleinen Gruppe plante je seine Touren nach Museen, dieses hier war es aber wert. Zusammen mit dem Museum in Kairo soll es das bedeutendste in Afrika sein.
Aber auch die Alt- und Neustadt waren einen Besuch wert. Überrascht waren wir von den elegant dekorierten Schaufenstern der Neustadt. Die noblen Marken waren genauso vertreten wie in anderen Weltstädten auch.
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4. Woche
Unsere Zeit in Libyen geht zu Ende. Wie geht es weiter? Nach einer längeren Diskussion entschieden wir uns, gemeinsam weiterzufahren. Wir kamen zu der Ansicht, dass es für jeden einzelnen persönliche Vorteile bringen könnte – was dann letztendlich auch zutraf.
Montag, 27. 2. 2006 fuhren wir bis in die Nähe von Zuara, um am Ortsende frei am Strand zu übernachten. Unsere letzte Nacht in Libyen. Am Abend luden uns Herbert und Maria zu Steak und Schweinelendchen ein. Hatten sie immer noch von zuhause. Mit allen Beilagen – einfach herrlich.
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