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Albanien: Dem letzten Geheimnis Europas auf der Spur
Juli 2003

Ein Reisebericht von Heinz Weilbacher

Albanien-Gr 11

Was verbindet man als Deutscher mit Albanien. Armut? Menschen, die über die Adria nach Italien fliehen? Oder vielleicht den Kosovo-Krieg? Was wissen wir über Albanien wirklich? Sehr wenig. Und genau das ist es, was uns reizte, einmal dorthin zu reisen.

An einem wunderbar sonnigen Tag im Juli überqueren wir von Griechenland aus die albanische Grenze bei Kakavije. Unsere kleine Reise durch den Süden Albaniens soll uns unter anderem nach Sarande, Butrint sowie Gjirokaster bringen. Im Vorfeld waren wir etwas unsicher gewesen hinsichtlich unseres Planes „Europas letztem Geheimnis“ ein wenig auf den Grund zu gehen. Denn zum einen gibt es sehr wenige Informationen über Albanien und zum anderen wird immer noch von vielen Seiten vor einer hohen Kriminalität in Albanien gewarnt. So empfiehlt beispielsweise das Auswärtige Amt grundsätzlich in Begleitung eines zweiten Fahrzeugs zu reisen, sowie einen orts- und sprachkundigen Begleiter zu haben.

Trotz der Warnungen wagen wir die Einreise nach Albanien ohne Begleitung. Sie gestaltet sich –zu unserer eigenen Überraschung– als unproblematisch. Wir müssen uns lediglich einer Veterinärkontrolle unterziehen, die darin besteht, durch einen Wassergraben mit Desinfektionslösung zu fahren. Das kostet uns 2,00 Euro. Pro Person müssen wir weitere 10,00 Euro für die eigentliche Einreise bezahlen. Es werden keine Dollar verlangt wie der ADAC fälschlicherweise berichtet.

An der Grenze besteht die Möglichkeit Geld zu wechseln: Kurs 133,3. Bei großen Euronoten wird der Betrag, der nicht gewechselt werden soll, in Euro rausgegeben. Im Land kann meistens auch mit Euro gezahlt werden.
Die Grenzbeamten begegnen uns freundlich und aufgeschlossen. Überhaupt sind wir während unserer Fahrt durch Südalbanien keinerlei Schikanen der Polizei ausgesetzt. Es gibt zwar zahlreiche Straßenkontrollen durch die Polizei, in der Regel werden wir aber durch gewunken. Besonders auffällig für uns sind die zahlreichen Mercedes Modelle. 90% aller Privatwagen sind deutsche Autos, davon ¾ Mercedes älteren Baujahrs.

Erster Anlaufpunkt unserer kleinen Reise soll Sarande sein, ein kleines Städtchen im Südwesten Albaniens, das am Ionischen Meer liegt. Sarande lockt uns aufgrund seines vermeintlich milden Klimas sowie schönen Kiesel- und Sandstrandes.

Albanien-Weg

Der Weg nach Sarande gestaltet sich jedoch als nicht ganz so einfach, da es vom Süden her keine Beschilderung nach Sarande gibt. Dies erklärt sich dadurch, dass der Grenzverkehr überhaupt erst seit einigen Jahren möglich ist (Mitte bis Ende der 90er Jahre). Ein weiteres Problem sind die schlechten und engen Gebirgsstraßen, die teilweise eine maximale Geschwindigkeit von 30 km/h zulassen.

Sarande, das als Urlaubsort der Albaner gilt, enttäuscht uns nach einigen Tagen ein wenig. Überall wird gebaut und der Kieselstrand ist zumeist von Menschen überfüllt.

Es ist nicht nur problematisch den Weg nach Sarande zu finden, auch mit dem Verlassen der Stadt gibt es Schwierigkeiten. Es gibt viele Einbahnstraßen, die Wege sind eng und manche Straßen enden abrupt vor einer Mauer.

Zunächst planen wir von Sarande aus, entlang der Küste, nach Vlore in den Norden zu fahren. Doch da uns mehrere Einheimische mit Händen und Füßen sowie ein wenig griechisch, das im Süden Albaniens sehr hilfreich ist, davon abraten, da die Straßenverhältnisse zu schlecht seien, entschließen wir uns gen Süden, nach Butrint zu fahren. Beim Verlassen von Sarande findet man einige Strandbars, die teilweise von Griechen betrieben werden und das 5 Sterne Hotel Butrint. Auf dem Weg nach Butrint haben wir aufgrund der engen Straßen einige Probleme. Häufig müssen wir wegen des starken Gegenverkehrs äußerst rechts fahren, was wegen der zahlreichen Olivenbäume zu Kratzern im Autolack führt.

Albanien-Butrint

Butrint wurde zuerst von den Illyrern und später von Griechen und Römern bewohnt. Es ist berühmt für seine archäologischen Stätten. Das Amphitheater oder der Escolapiotempel sind mehr als beeindruckend. Die Ausgrabungen weisen auf eine glanzvolle Vergangenheit hin und viele Touristen besuchen Butrint von Korfu aus.

Von Butrint aus führt uns unser Weg in das westlich gelegene Ksamil, ebenfalls ein Badeort, wo wir in einem angenehmen Strandlokal die albanische Küche probieren. Zu empfehlen ist beispielsweise Fergese, eine aus Fleisch, Eiern, Quark und Knoblauch zubereitete Speise. Wir genießen den frischen Fisch, und der deutschsprachige Cousin der Besitzer versorgt uns mit interessanten Informationen über das Land. Uns zu Ehren werden sogar einige deutsche Kassetten gespielt und wir sind froh, dass wir Heino gut überstehen. Obgleich nicht viele Ausländer ihren Urlaub in Albanien verbringen, begegnen uns die Albaner stets sehr offenherzig ohne aufdringlich zu wirken. So auch in diesem Restaurant.

Albanien-Taverne

Von Ksamil aus kann man sich mit einem Boot zu einer kleinen vorgelagerten Insel bringen lassen, wo das Wasser wunderbar klar und somit sehr gut für Taucher geeignet ist.
Für die Nacht in Ksamil stellen wir uns mit dem Wohnmobil in Strandnähe neben die Taverne. Leider bekommen wir in dieser Nacht sehr wenig Schlaf. Zunächst hält uns die Musik der Stranddisco wach, und als wir glauben gegen drei Uhr in der Nacht endlich einschlafen zu können, werden wir von zahlreichen Moskitos terrorisiert.

Am nächsten Mittag brechen wir ziemlich zerknautscht noch einmal in Richtung Vlore auf. Wir können uns vom schlechten Zustand der Straße und vom starken LKW-Verkehr selbst überzeugen und entscheiden uns erneut dafür nicht nach Vlore zu fahren, um unser Auto zu schonen.

Das Straßennetz in dem kleinen Land lässt uns nicht viele Möglichkeiten. Die schlechte Verkehrsinfrastruktur in Albanien ist eins der größten Hindernisse hinsichtlich einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung. Wir nehmen den Weg nach Gjirokaster.

Kurz vor Gjirokaster verlassen wir die Hauptstraße, um einmal ein typisches albanisches Dorf in den Bergen zu besuchen. Albanien wird von Gebirgen dominiert, deren Gipfel überwiegend zwischen 2.100 und 2.400 Meter hoch sind. Insgesamt sind rund zwei Drittel des Landes gebirgig.

Der Feldweg zu “unserem typischen Dorf” Lazarat im Gjerë-Gebirge ist - wie nicht anders zu erwarten – äußerst unbequem. Es gibt viele Schlaglöcher. Als die Leute in Lazarat uns erblicken, scheinen sie interessiert zu sein, wirken aber gleichzeitig zurückhaltend. Trotzdem spüren wir hier das freundliche Wesen der Menschen. Von einem Cafebesitzer werden wir zu einer Cola eingeladen. Mit großen Gesten versuchen wir eine Unterhaltung. Es ist merkwürdig, irgendwie kann man sich immer austauschen, auch wenn keine gemeinsame verbale Sprache gesprochen wird.

Albanien-Schäfer

Nach unserem kleinen Abstecher in die Berge fahren wir weiter nach Gjirokaster. Die Stadt wird von ihrer mächtigen Burg Ali Pasha beherrscht. Das historische Viertel von Gjirokaster mit seinen engen Gassen erscheint uns sehr geheimnisvoll. Die Stadt versprüht einen schönen mittelalterlichen Charme.
Den Zauber der Gebirgsdörfer wollen wir nach Gjirokaster erneut genießen, weshalb wir auf unserem Rückweg wieder einen dieser kleinen Wege ins Gjerë-Gebirge reinfahren. Wir besuchen das Dorf Kardhia, wo wir durch Zufall auf einen deutschsprachigen Albaner treffen. Wir werden von ihm zum Kaffee eingeladen und übergeben ihm Anzieh- und Spielsachen, die wir mitgebracht haben, damit er sie im Dorf an Bedürftige verteilen kann. Seit der Demokratisierung herrscht immer noch große Armut in dem kleinen Land. Albanien hat ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von etwa 1.100 Dollar.

Als wir wieder an unser Auto zurückkehren, kommen einige Kinder angerannt. Sie scheinen sich zu freuen uns zu sehen und springen lachend um unser Auto herum. Wir haben einige Spielsachen aus Deutschland mitgebracht, die wir hier gerne loswerden.

Albanien-Werkstatt

Auf unserem Rückweg auf einem schlechten Feldweg in Richtung Hauptstraße fahren wir unglücklicherweise mit dem linken Hinterrad in einen etwa 10 cm großen Nagel, weshalb wir in Gjirokaster den Reifen wechseln lassen müssen. In der Werkstatt verlangen sie für etwa 30 Minuten Arbeit 20,00 Euro. Das erscheint uns ein wenig viel. Wir bieten stattdessen einen Kassettenrecorder als Gegenleistung an, der gerne genommen wird.

Albanien-Reifen

Von Gjirokaster fahren wir in Ruhe wieder in Richtung griechische Grenze und verlassen ein Land, das uns angenehm überrascht hat, nachdem wir anfangs viele Vorurteile und Warnungen gelesen hatten. Bei der Ausreise zahlen wir nochmals 2,00 € pro Person und Auto je Aufenthaltstag in Albanien. Es gibt ohne Zweifel eine hohe Kriminalität in Albanien und die Griechen in albanischer Grenznähe sind nicht gut auf die Albaner zu sprechen, die angeblich nachts über die Grenze kommen um zu klauen, doch sollte dies reisefreudige Westeuropäer nicht davon abhalten, ein Land zu erkunden, in dem die Menschen sehr warmherzig sind und das eine Ursprünglichkeit aufweist, die in Europa ihresgleichen sucht.

Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wurde inzwischen aufgehoben.

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[Albanien 03]